«Das Rad herumreissen wird zunehmend schwieriger»

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00:00:03: Sie hören Uni-Ball, der Wissenschaftspodcast auf Prime News im Gespräch mit Menschen die Wissen schaffen.

00:00:13: In Zusammenarbeit mit der Universität Basel und präsentiert von Interpharma.

00:00:19: wir forschen weiter!

00:00:25: Unsere Seen entfernen überschüssigen Stickstoff aus dem Wasser.

00:00:30: Der Klimawandel könnte diese natürliche Reinigung schwächen.

00:00:34: Mit Folgen für die Ökosysteme der Meeresküsten, das hat ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Basel und dem ETH Wasserforschungsinstitut Erwag herausgefunden.

00:00:49: Darüber spreche ich jetzt mit Professor Dr.

00:00:51: Moritz Lehmann von der Uni Basel, er war an der Studie beteiligt.

00:00:56: Sie hören dem Podcast Uniball.

00:00:58: mein Name ist Globüler Herr Lehmmann, ich grüße sie!

00:01:03: Ich grüeße sie ebenfalls, herzlichen Dank für die Einladung.

00:01:06: Sie sind Umweltwissenschaftler.

00:01:08: was ist Ihre Aufgabe?

00:01:10: Also ich leere an der Universität Basel im Bereich Umweltwissenschaft und ich bin Biogeochemiker Und meine Forschungsgruppe und ich versuchen zu verstehen, wie unterschiedliche Umweltbedingungen, also Stoffumsatzprozesse oder biogeochemische Prozesse nennen wir das auch.

00:01:29: Zum Beispiel die Produktion von Treibhausgasen, die Zehrung von Treibausgasen wie Methan- oder Lachgas aber auch von Nährstoffen und Schadstoffen vor allem in Seen, aber auch in anderen aquatischen Systemen wie diese Umweltbedingungen, die Prozesse steuern und konkreter wie Mikroorganismen oder Konsortien von Mikro-Organismen daran beteiligt sind und helfen letztendlich Gewässer sauber zu halten.

00:01:56: Oder eben den Treibhaus Gasfingerabdruck eines Sees zum Beispiel niedrig zu halten.

00:02:03: In ihrer Studie beschreiben Sie einen komplexen Reinigungsvorgang unserer Sehen.

00:02:08: Wie funktioniert der in Gropenzügen?

00:02:11: Das ist ja hochkomplex.

00:02:13: Ja, wir nennen das ganz grob den mikrobilen Nitratfilter.

00:02:17: Also es sind letztendlich Mikroorganismen die nutzen Nitrat ähnlich wie wir Sauerstoff zum Atmen nutzen und am Ende dieser Atmung steht einfach das Stickstoffgas.

00:02:30: Und Stickstoff macht ein Großteil unserer Atmosphäre aus ist vollkommen harmlos und auf diese Art und Weise verschwindet Überschüssiger Nicht gewollter Stickstoff, dauerhaft aus einem Gewässer wie an dem See zum Beispiel.

00:02:44: Und wozu dient dieser Reinigungshohrgang?

00:02:49: Ja er verhindert letztendlich dass sich immer mehr biologisch verfügbarer Stickstoff im Gewässe ansammelt.

00:02:56: das möchte man eigentlich vermeiden.

00:02:58: Stichwort Überdüngung.

00:03:00: Okay Warum ist es wichtig?

00:03:03: Wie groß ist der Einfluss diese Denitrifikation?

00:03:08: Also wie gesagt, der Stickstoff wirkt wie ein Dünger letztendlich.

00:03:13: Neben anderen Düngungsmitteln, Phosphat andere Nährstoffe und ein bisschen davon braucht jedes Ökosystem jede Pflanze jeder Alge.

00:03:22: zu viel davon ist allerdings ein Problem und führt unter Umständen zu übermäßigen Algenwachstum.

00:03:30: Eben sehen, spielen hier eine wichtige Filterfunktion.

00:03:33: Sie sind weltweit verantwortlich.

00:03:35: um auf ihre Frage zu kommen wie groß ist der Einfluss dieser Identifikation?

00:03:39: Sie sind Weltweit verantwortlich für ungefähr zwanzig Prozent der gesamten Stickstoffeliminierung.

00:03:46: also sie spielen im globalen Stickstoffkreislauf eine wichtige und relevante Rolle.

00:04:00: Jetzt haben Sie festgestellt, dass der Klimawandel diesen Vorgang stört oder schwächt.

00:04:05: Wie geschieht das?

00:04:07: Ja wir sehen, dass die jahresseitige Dynamik in unseren Seen beeinflusst.

00:04:15: Sehen schichten sich, sie mischen sich im Jahreszyklus und unter Umständen schichten jetzt im Frühjahr früher und sie durchmischen sich im Winter später im Zuge des Klimawandels unter Umständen für eine kürzere Zeit.

00:04:30: Und dadurch verändern sich letztendlich die Bedingungen, unter denen das Zusammenspiel der Mikroorganismen, die den überflüssigen Stickstoff entfernen können.

00:04:44: und wenn man so will, der Klimawandel verkürzt die Phase, die besonders effizient Nitrat eliminiert.

00:04:53: also der See hat weniger Zeit sich selbst zu reinigen.

00:04:59: Und wie erheblich ist diese Schwächung?

00:05:01: und haben wir irgendwie eine problematisierende Sicht auf die, auf diese Dinge.

00:05:08: Ist das einfach ein Zyklus oder ist das effektiv ein Problem?

00:05:15: Ja also unsere Modellierung zeigen dass es sich ungefähr um eine zehnprozentige schwächung acht bis treizehn prozent Schwächungen der Identifizierung in einem verstärkt ein Erwärmungsszenario handelt.

00:05:30: Das klingt zunächst nicht wahnsinnig dramatisch, nicht nach Wahnsinn nicht viel aber sehen arbeiten über Jahrzehnte und weltweit und kleinere Veränderungen vermeintlich kleinere veränderungen summieren sich da

00:05:44: auf.

00:05:46: Sie schreiben im Text Schwächen könnte.

00:05:49: welche Fragen sind dann noch offen?

00:05:52: Ja wir sagen letztendlich das was unsere Daten wirklich hergeben.

00:05:57: Was wir machten in dieser Studie, wir konnten die die Mechanismen aufzeigen und auch plausibilisieren.

00:06:04: Und auch modellieren wie stark letztendlich sehen tatsächlich reagieren werden.

00:06:09: das hängt wirklich von der Klimaentwicklung ab.

00:06:12: Das kann man bis zu wissen gerade voraussehen aber eben nicht ganz genau und natürlich auch von dem jeweiligen See der darauf reagiert.

00:06:20: ja Dieser Reinigungsprozess findet besonders im Winter statt.

00:06:24: Wieso hat dann der Klimawandel da einen Einfluss oder ein besonderer Einfluß?

00:06:30: Ja, das wirkt zunächst vielleicht ein bisschen überraschend denn man würde vermuten dass in warmen Sommer die meiste biologische Aktivität stattfindet und im Allgemeinen ist es auch so wie die Thermodynamik gilt.

00:06:44: aber

00:06:45: der Winter ist gewissermaßen eine Zeit in der ein See einer richtigen durchatmen.

00:06:51: Das Wasser wird vollständig durch Misch, Sauerstoff und Nitrat, darum geht es ja hier gelangen bis zum Seegrund und genau dann arbeiten die Mikroorganismen perfekt zusammen besonders effizient und entfernt große Mengen von Stickstoffe.

00:07:06: Und wie schon gesagt wenn diese Wintermischung durch den Klimawandel kürzer wird verkürzt sich auch das Zeitfenster in dem der See besonders effektiv Stickstoff entfernen kann.

00:07:18: Ist diese Reinigungsvorgang nur für den Umkreis des jeweiligen Sees wichtig oder global?

00:07:25: Also das ist sicherlich nicht nur lokal, sondern auch regional und global wichtig.

00:07:31: Der Baldergegersee ist nur einer von Millionen Seen weltweit – das ist klar!

00:07:35: Aber jeder einzelne See leistet hier einen kleinen Betrag.

00:07:39: Wir nennen es Ökosystemfunktion oder Ecosystem Function.

00:07:45: Und zusammen bilden Sie letztendlich einen wichtigen Bestandteil des globalen Stickstoffkreislaufs und einem wichtigen globalen Nitratfilter, der unsere Küstenwässer letztendlichen vor stärkerer Überdüngung schützt.

00:08:00: Ja sie schreiben das sogar von sogenannten Todeszonen.

00:08:03: könnten Sie das etwas ausführen?

00:08:06: Ja also sehen tragen eben dazu bei dass weniger Nährstoffe flussabwärts bis in die Meere gelangen.

00:08:11: und wenn jetzt aber weniger Stickstoff in Sehen entfernt wird gelangt mehr davon flussabwärts und letztendlich auch mehr ins Meer.

00:08:20: Dort können diese Überschüsse an Stickstoff oder anderen Nährstoffen Algenblüten fördern, werden jetzt diese Algen blüten beziehungsweise die dabei entstehende Biomasse abgebaut wird Sauerstoff verbraucht und so entstehen oder können entstehen sogenannte Todeszonen.

00:08:39: also Konkret, was sich bei uns in den Seen auch im Mittelland abspielt hat messbare Folgen in Holland oder im Mittelmeer?

00:08:49: Also letzten Endes kann man das so sagen ja.

00:08:52: Der Baldiger See allein macht in Holland keinen messbaren Unterschied aber viele Seen zusammen schon.

00:09:06: Jetzt was wäre denn die mildeste Folge und was wäre je härteste

00:09:13: mildeste Folge.

00:09:13: Also im mildesten Fall wird man eine reduzierte Filteleistung sehen, zehn Prozent kann man sagen.

00:09:20: ja eben die Draht wird ein bisschen weniger stark eliminiert und im stärksten Fall trägt das aber über viele Sehen- und Flusssysteme kumuliert hinweg dazu bei

00:09:34: dass

00:09:35: Küstengewässer letztendlich stärker überdüngt werden und Sauerstoff-Mangelzonen oder sie haben es Todeszonen genannt zunehmen.

00:09:44: Als Forschungszone haben Sie ja, wir wären den Balddeckersee gewählt, warum diesen?

00:09:49: Der ist eher klein.

00:09:53: Ja also der baldige See ist zwar klein aber eigentlich ein hervorragendes Freiland-Labor.

00:10:01: Er gehört zu den am besten untersuchten Seen Europas und gerade unsere Projektpartner von der Airwag messen dort seit Jahrzehnten regelmäßig viele Parameter Und das ist eine einzigartige Grundlage, die wir nutzen konnten.

00:10:15: Sie hat uns ermöglicht Messungen mit einem Modell zu verknüpfen und abzuschätzen wie sich letztendlich der Klimawandel künftig auf die Biogeochemie, auf die Hydrochemie des Sees auswirken könnte.

00:10:28: Aber wäre ein größerer See, Genfersee, Vierwaldschättersee, Bodensee nicht irgendwie repräsentativer gewesen?

00:10:37: Also stimmt, jeder See ist letztendlich anders.

00:10:39: Aber nochmal es ist für uns sehr praktisch an den Baldigersee zu gehen.

00:10:42: wir haben unser Monitoring-Programm da Er isst ein guter See ganz allgemein um die Effekte der Winterdurchmischung, der mikrobilen Stickstoffentfernung und die Auswirkungen einer längeren Sommerschichtung zu studieren.

00:10:58: Und diese grundlegenden Prozesse finden in ähnlicher Form auch in anderen Seen statt.

00:11:02: Die Sehen, die sie auch genannt haben Sie haben jetzt gerade weniger eutrophierte Sehen genannt.

00:11:10: Was ist das?

00:11:11: Eutrophiert bedeutet einfach, diese Sehen haben weniger Nährstoffe und sind weniger überdüngt.

00:11:16: also die Frage der Nitratelimination ist vielleicht im Baldigerseh ein bisschen relevant auch wenn es eine kleine See ist.

00:11:23: aber ich denke man kann sagen es ist ein sehr gutes Modellsystem repräsentativ für viele andere Sehen eben zumindest in gemäßigten Klimazonen.

00:11:42: Diese Reinigungsprozess, den Sie beschrieben haben, entspricht ja einem hochkomplexen Zusammenspiel.

00:11:48: Wie könnte dein Mensch da positiv einwirken um den Effekt zu stoppen oder irgendwie zu bremsen?

00:11:55: Oder ist das schon gelaufen?

00:11:57: Das menschliche Einwirken ist immer so zweiseitiges... schwer, sage ich mal.

00:12:03: Also die Mikroorganismen zu steuern das können wir in dem Sinne nicht oder wer sollten es vielleicht auch nicht?

00:12:08: Das ist meine persönliche Meinung.

00:12:09: aber wir können natürlich die Bedingungen verbessern unter denen sie arbeiten und der beste Schutz auf jeden Fall für in diesem Kontext heißt solltenden Klimawandel begrenzen, weniger Treibhausgase produzieren und dadurch die Wintermischung beibehalten so wie sie in der Vergangenheit war.

00:12:29: Und letztendlich ganz wichtig weniger Nährstoffeinträge überhaupt in unsere Gewässer

00:12:35: einbringen.".

00:12:36: Sie haben nicht das von persönlicher Meinung gesagt also dass man da irgendwie eben eher weniger einwirken sollte?

00:12:44: Wie kommen Sie

00:12:45: dazu?".

00:12:47: Ja, es gibt dann verschiedene Beispiele wie man zum Beispiel versucht in Ozean die CO-Zwei Aufnahme zu steuern indem man Ozeane regionen in bestimmten Bereichen künstlich dünkt.

00:13:00: Das hat aber letztendlich ökologische Wirkungen die man nicht unbedingt immer abschätzen kann.

00:13:05: In der Schweiz versuchen wir sehen zu belüften.

00:13:08: da gibt's Meinungen die sprechen dafür.

00:13:11: Da gibt es andere Meinung die sagen das ist hat nur Bedingt Wirkung und vielleicht auch ökologisch Wirkung, die man nicht hundert Prozent absehen kann.

00:13:20: Das möchte ich jetzt gar nicht bewerten.

00:13:22: Ich sage nur generell muss man immer aufpassen wenn der Mensch sich hier einmischt dass er sich der Mechanismen und der Wirkung dieses Einflusses auch bewusst ist.

00:13:34: Aktuell haben wir eine wochenlange dreißig Grad Phase.

00:13:37: Teilweise sind wir ja darüber auch deutlich.

00:13:41: Wird sich das auf den Reinigungsprozess jetzt im kommenden Winter auswirken?

00:13:46: Werb man da sehen können.

00:13:47: Also, es kann ich nicht wirklich sagen Ich würde mal denken dass ein einziger oder eine einzige Hitzewelle den Reinigungsprozess im kommende Winter nicht entscheidend verändern würde.

00:13:59: aber die Hitzewelle passt natürlich in einen längerfristigen Trend und wenn wir sehen dass warme Sommer einfach häufiger werden Eben, dann verkürzt sich unter Umständen.

00:14:10: die Winterdurchmischung des Sees hat den Einfluss auf den Sauerstoffhaushalt der Sees.

00:14:15: Auf die Biogeochemie des SeEs und genau diese Winterphase hatten wir zeigen können ist für die Stickstoffentfernung besonders wichtig?

00:14:22: Und wenn sie kürzer wird später sicherlich eine Rolle.

00:14:26: in einem nächsten Schritt wollen Sie auch untersuchen ob die beobachteten Prozesse Effekte auf die Produktion von klimaschädlichem Lachgas im See haben.

00:14:36: was vermuten Sie da?

00:14:38: Also?

00:14:38: wir vermuten, dass sich durch die veränderte Schichtung nicht nur die Stickstoffe Entfernung, Stickstoffatmung verändert.

00:14:45: Sondern eben auch Zwischenprodukte dieses Prozesses.

00:14:50: Lachgas ist da eines dieser Zwischen Produkte.

00:14:53: wenn also Sauerstoff, Nitrat und organisches Material im Sediment anders zusammenspielen unter anderen Umwelt- und Klimabedingungen kann sich das letztendlich auch auf die Lachgassproduktion.

00:15:06: wie lachgas abgebaut wird, wie lachtgas an die Atmosphäre von einem See abgegeben wird, kann das einen Einfluss haben.

00:15:14: Ob am Ende letztendlich mehr oder weniger Lachgas freigesetzt wird?

00:15:19: Das ist noch unklar und genau das wollen wir letztendig untersuchen und rausbekommen.

00:15:24: Müssen wir dass Sie in einer Reihe verstehen.

00:15:26: also sie haben jetzt eben bereits solche Effekte untersucht.

00:15:30: dann kommt das lachgas und dann kommen auch etwas Nächstes

00:15:35: Wenn Sie so wollen, ja.

00:15:37: Das ist ein Forschungsprogramm das wahrscheinlich über mehrere Jahre vielleicht Jahrzehnte sogar läuft.

00:15:43: Der Einfluss der Klimaerwärmung spielt bei uns eine wichtige Rolle und sie sagen was ist das nächste?

00:15:49: Wir interessieren uns zum Beispiel auch sowohl in vergangenen Studien aber auch in zukünftigen Studien.

00:15:54: jetzt haben wir die Modelle, die uns dabei helfen.

00:15:59: Wie zum Beispiel die Methanproduktion und ganz wichtig in meiner Gruppe wir arbeiten auch an der Methanoxidation.

00:16:06: da gibt es wie beim Nitrat auch einen biologischen Filter der das Methan letztendlich eliminiert und da versuchen wir auch zu verstehen wie Klimaveränderungen veränderte Phänologie also Abläufe von Schichtung und Mischung in einem See letztendlich die Methanemission aus einem See beeinflussen.

00:16:29: In der Zukunft, in einem Erwärmungs-Szenario?

00:16:33: Klimaerwärmen, Stichwort!

00:16:35: Sie sind Wissenschaftler und beobachten einerseits die Vorgänge in der Natur und andererseits sowohl auch die gesellschaftliche Debatte darüber.

00:16:44: also was fällt Ihnen dazu spontan ein?

00:16:48: Also ja mich beeindruckt immer wieder wie eng alles letztendlich zusammenhängt.

00:16:53: Wir sprechen heute über Mikroorganismen am Seegrund, diesem Podcast.

00:16:57: Am Ende geht es aber darum um den Zustand ganzer Ökosysteme besser zu verstehen.

00:17:02: und gerade deshalb finde ich es wichtig dass wir in der Klima-Debatte weniger darüber diskutieren ob sich etwas verändert sondern stärker darüber wie wir mit den Veränderungen umgehen und was wir tun können Zumindest wenn wir sehen, dass sich unsere Umwelt in einer Richtung entwickelt, die wir so nicht wirklich wollen.

00:17:24: Nun gibt es dieses Argument – das werden Sie auch gehört haben – der Einfluss der Schweiz auf den globalen Vorgang sehr klein sei und dass wir da sowieso nichts ausrichten könnten?

00:17:36: Was sagen sie dazu?

00:17:38: Das mag grundsätzlich mal sein in absoluter Zahlen aber es geht hier auch um eine Vorbildfunktion.

00:17:43: Ich sehe meine Aufgabe eigentlich auch nicht darin politische Entscheidungen zu bewerten.

00:17:49: Unsere Aufgabe als Wissenschaftler ist es, zu zeigen wie die Natur funktioniert und welche Folgen bestimmte Entwicklungen haben können was letztendlich eine Gesellschaft oder meinetwegen auch Politiker daraus machen.

00:18:03: ja das muss die Gesellschaft die Gemeinschaft eben gemeinsam entscheiden.

00:18:07: aber ich glaube gut Entscheidung beginnen immer mit einem guten Verständnis der natürlichen Zusammenhänge.

00:18:15: Jetzt natürlich so die hundert-billionen Frage, haben wir den Kampf mit dem Klimawandel verloren?

00:18:21: Das ist wirklich eine wichtige Frage.

00:18:23: Wie gesagt ich bin Biogeochemiker Umweltwissenschaftler und kein Klimaforscher.

00:18:31: Ich kann deshalb nicht besser beurteilen als andere wie sich das Klima entwickeln wird sondern verlassen mich da eigentlich auf die Ergebnisse der Klimaforschung.

00:18:39: Mein Eindruck ist allerdings es wird zunehmend schwieriger die Entwicklung noch grundlegend zu verändern, also das Ruder rumzureißen.

00:18:48: Ja okay!

00:18:50: Also wir müssen zur Steuerung finden?

00:18:53: Ja wie gesagt wir haben heute über Sehen gesprochen.

00:18:56: da ist es relativ einfach Wir müssen den Sehen vor zu viel Nährstoff und von außen schützen.

00:19:02: Da gibt es relativ direkte Maßnahmen die greifen Und sie sind auch greifbar diese Maßnahmen.

00:19:16: Zu Ihnen persönlich, warum sind Sie Umweltwissenschaftler geworden?

00:19:20: Was hat sie da interessiert?

00:19:23: Ich denke ja ich bin Umweltwissenschafter.

00:19:28: Ich bin eigentlich wie gesagt Biogeochemiker und das ist gerade diese Schnittstelle zwischen biologischen Wissenschaften und Geowissenschaften die mich da interessieren besonders.

00:19:41: Spannend finde ich eben in diesem Kontext, dass die größten Stoffkreisläufe unseres Planeten, die letztlich auch das Klima beeinflussen von mikroskopischen Prozessen gesteuert werden.

00:19:52: Die man mit bloßem Auge in dem Sinne gar nicht sieht, eben Mikroben und diese Prozesse im Kleinen zu verstehen und ihre Bedeutung für unsere Umwelt bis auf die globale Skala dieser Prozesses zu entschlüsseln, zu verstehen, zu quantifizieren – das ist große Motivation für mich!

00:20:10: Sie sind Abteilungsleiter Umweltwissenschaften an der Uni Basel.

00:20:14: Was hat Basel da besonders zu bieten?

00:20:17: Kleine Korrektur, ich leite als Professor des Departments Umweltwissenschafts eine Forschungskruppe in Akvatscher Biogeochemie aber ich bin nicht mehr, muss ich sagen, Leiter des Deparements.

00:20:27: Aber das ist gar nicht schlimm!

00:20:30: Ich denke eine besondere Stärke unseres Departements, Departement Umweltwissen schaft in Basel Was für mich auch motivierend ist, dass Biologie und Geowissenschaften eng miteinander verwoben sind.

00:20:41: Also viele dieser Prozesse, diese Umweltprozesse lassen sich nur verstehen wenn man beide Perspektiven, also die Geoperspektive und die Bio-Perspektives miteinander verbindet.

00:20:52: Und genau an dieser Schnittstelle arbeite ich und meine Forschungsgruppe, die eben aus Geowissenschaftern Mikrobiologen bestehen und wir untersuchen, wie Mikroorganismen geochemische Stoffkreisläufe steuern.

00:21:08: Und wie diese Prozesse wiederum ganze Ökosysteme prägen.

00:21:13: Welche Schwerpunkte setzen Sie?

00:21:15: Sind Ihnen wichtig?

00:21:18: Also sie hören... wahrscheinlich aus dem bisherigen Gespräch nach Hause.

00:21:21: Stickstoff spielt eine wichtige Rolle, also wir beschäftigen uns in unserer Forschungsgruppe mit Stickstoffkreisläufen, mit dem Kohlenstoffkreislauf.

00:21:29: Wir wollen verstehen wie Mikroorganismen Treibhausgase, wie Methan-, Lachgas produzieren oder eben abbauen und welche Rolle sie für die Wasserqualität und das Klima letztendlich spielen.

00:21:41: und dabei verbinden wir, und ich glaube das ist ein bisschen charakteristisch auch für unsere Gruppe.

00:21:47: Dass wir Feldforschung, Laborexperimente, Modellierung moderne Isotopenanalytik- und mikrobiologische Methoden kombinieren.

00:21:59: Umweltwissenschaftend?

00:22:00: Das klingt dem politisierten Ohren wie bewahren beschützen!

00:22:05: Erich mich

00:22:07: Ja...das ist jetzt Die grüne Version würde ich mal sagen, die hört sich nach Wollsocken und ähnliches an.

00:22:16: Ich denke mal es geht weniger um Aktivismus sondern Erkenntnis in den Umweltwissenschaften oder Umweltgeowissenschaften.

00:22:23: Wir wollen einfach verstehen wie die Umwelt funktioniert Und warum es manchmal sinnvoll ist bestimmte natürliche Funktion zu schützen Einfach auch weil sie für uns Menschen eine enorme Bedeutung hat.

00:22:35: Das sieht man unter Umständ nicht unbedingt.

00:22:38: Aber wenn Sie jetzt auf einer Skala zwischen zehn und null sagen müssen, wir gehen gut mit der Umwelt um.

00:22:47: Wir gehen schlecht mit der Welt um – was würden sie sagen?

00:22:50: Wir gehen momentan nicht sehr gut mit unserer Umwelt um!

00:22:54: Möchten Sie das näher ausführen?

00:22:57: Nein!

00:22:57: Ja, kann ich.

00:22:59: Ich glaube, ich sage da nichts Neues, dass der Mensch nach wie vor zu viel Treibhausgas produziert.

00:23:04: Es ist schwierig auch persönlich konsequent zu sein.

00:23:07: Man fährt selber Auto wahrscheinlich viel zuviel, man fliegt zuvier.

00:23:13: Das Leid tragen oft andere.

00:23:16: das ist momentan so.

00:23:18: und ja Wie gesagt, ich bin kein Klimaforscher aber ich denke mal das Ruder muss rumgerissen werden.

00:23:24: ob es dafür zu spät ist kann ich schlecht beurteilen.

00:23:27: Es wird auf jeden Fall immer schwieriger, das System rückzuentwickeln in eine natürliche Situation.

00:23:36: Welche Interessen hat die Wirtschaft an ihrem Fach?

00:23:39: Gibt es da direkte Dialogebezüge?

00:23:42: zusammenarbeiten?

00:23:44: Ganz ehrlich gesagt ist die Wirtschaft nicht der Hauptadressat unserer Forschung.

00:23:50: Ich würde sagen, es ist Grundlagenforschung Aber es hat natürlich Relevanz indirekt für die Wirtschaft.

00:23:56: Wenn wir uns mit Themen beschäftigen, die letztendlich Klimarelevanz sind... ...dann wissen wir das letztendling auch wenn man langfristig sich anschaut ein Effekt auf nicht nur die ökologische Gesundheit sondern auch die ökonomische Gesundkeit eines Landes oder eben letztendlichen der ganzen Welt irgendwo.

00:24:21: Noch eine persönliche Frage, also Sie sind nach Basel gekommen.

00:24:28: War das eine fachliche Entscheidung?

00:24:31: Also weil sie gesagt haben ja in Basel sind die Bedingungen besonders gut?

00:24:36: Es war klar dass die Bedenken in Baseln besonders gut sein werden.

00:24:39: ich war davor Assistenzprofessor in Kanada.

00:24:43: Dort hat es auch gut, aber in Punkto Forschungsmittel und Ressourcen war's ganz klar, dass man hier in der Schweiz bessere Möglichkeiten haben würde um Forschungsziele zu erreichen.

00:24:58: Zum Schluss was wäre die Schlagzeile, die Ihnen am meisten am Herzen liegt?

00:25:03: Ja, das ist eine Frage die kann ich direkt anknüpfen.

00:25:07: An die guten Bedingungen die mich hier nach Basel gebracht haben.

00:25:10: diese Bedingung werden nämlich gerade ein bisschen schlechter und es vielleicht nicht die Antwort die sie erwartet haben aber ich würde mich tatsächlich sehr freuen wenn ich einmal eine Schlagzeile lese dass die aktuellen Kürzungen in der Schweizer Forschungslandschaft rückgängig gemacht werden oder noch besser das Forschung und Bildung wieder stärker unterstützt werden.

00:25:30: Ich meine das nicht nur im Interesse der Forschung selbst.

00:25:34: Ich denke, dass viele große Fragen über die wir heute auch sprechen – heute teilweise gesprochen haben Klima-, Wasserqualität-, Biodiversität können wir eigentlich nur angehen wenn wir sie zuerst verstehen und dafür braucht es langfristig eine langfristige und auch eine starke Forschung.

00:25:54: Hoffen wir, dass das gehört wird.

00:25:56: Also Herr Lehmann ganz herzlichen Dank für dieses Gespräch!

00:25:59: Das war Uni-Bahl der Podcast der Wissenschaft auf Primews.

00:26:05: Ich bedanke mich ganz herzlich, danke schön

00:26:10: Sie hören Uni-Baal – der Wissenschaftspodcast auf Primnews im Gespräch mit Menschen die Wissen schaffen In Zusammenarbeit mit der Universität Basel und präsentiert von Interfammer.

00:26:25: Wir

00:26:26: forschen weiter.

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