«Noch nie so viel Hoffnung bei Demenz wie jetzt bisher»

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00:00:03: Sie hören Uni-Ball, der Wissenschaftspodcast auf Prime News im Gespräch mit Menschen die Wissen schaffen.

00:00:13: In Zusammenarbeit mit der Universität Basel und präsentiert von Interpharma.

00:00:19: wir

00:00:19: forschen weiter!

00:00:26: Die Diagnose Demenz ist noch immer eine Angstdiagnose für die Betroffenen und für die Angehörigen.

00:00:33: Rund von dreißigtausend Personen erhalten sie jedes Jahr in der Schweiz.

00:00:38: Eine Heilung gibt es derzeit nicht, aber jetzt hören wir von der Uni Basel Signale die Hoffnung machen.

00:00:45: Darüber sprechen wir mit dem Arzt und Demenzforscher Marc Aurel Busche, der Uni-Basel.

00:00:52: Sie hören den Podcast Uniball am Mikrofon.

00:00:55: Claude Bühler Herr Busche ich grüße sie!

00:00:59: Vielen Dank für die Einladung Herr Bühle.

00:01:02: Herr Bussche was ist Demenz?

00:01:04: Was passierten Kroppenzügen?

00:01:07: Demenz ist erst mal ein Sammelbegriff, den wir benutzen um zu sagen dass jemand eine Gedächtnisstörung oder eine andere kognitive Störung hat die so ausgeprägte ist das man im Alltag nicht mehr alleine zurechtkommt.

00:01:21: Das aber für sich erstmal keine einzelne Krankheit sondern da ist immer die Frage was es die Ursache davon und ne häufig Ursache im höheren Lebensallt also ab fünfundsechzig sind sogenannte neurodegenerative Erkrankungen.

00:01:35: Da gibt es verschiedene davon.

00:01:37: Und die häufigste ist sicher die Alzheimer-Krankheit und deshalb benutzen wir diese Begriffe Demenz, und Alzheimer oft auch Synonym.

00:01:44: Ja – und was geschieht da?

00:01:47: Bei den neurodegenerativen Erkrankungen ist es so dass sich Eiweiße, die von den Zellen in unserem Gehirn gebildet werden und die eine normale Funktion haben, krankhaft Ablagern im Gehirnt und durch diese Ablagerung kommt das dann zum Verlust den Nervenzellen.

00:02:05: Und Nervenzählen im Gehirn können nicht regeneriert werden und dadurch kommt es dann eben zu Störungen in der Funktion von bestimmten Hirnregionen, zum Beispiel Regionen die wichtig sind fürs Gedächtnis bei Alzheimer.

00:02:18: Ja, Alzheimer galt lange als eine Krankheit gegen die man nichts tun konnte.

00:02:24: Wo stehen wir heute?

00:02:26: Es ist so dass man bisher Therapien hatte symptomatisch wirken, das heißt die sich gegen die Beschwerden richten.

00:02:35: Die aber nicht die grundsätzlichen Ursachen der Alzheimer-Krankheit bekämpfen oder behandeln konnten.

00:02:43: Wir haben jetzt erstmals in der Schweiz zugelassen seit Februar eine Therapie, die sich auch gegen die Ursache der Alzheimerkrankheit richtet also gegen diese Eiweißablagerung von den ich gesprochen habe.

00:02:58: Sie sprechen neben von diesen Eiweissablagungen Und ich habe von einer sogenannten Nonnenstudie gelesen.

00:03:06: Die werden Sie bestimmt kennen, also in einem Frauencloster.

00:03:09: Da wurden zwar diese Eiweißablagungen im Gehirn der Frauen nachgewiesen aber die Frauen blieben geistig fit und andere mit nur geringen Ablagungen, die entwickelten eine Demenz.

00:03:22: Was ist da?

00:03:24: Also das widerspricht ja der Lehrmeinung.

00:03:27: Das versteht man inzwischen eigentlich sehr gut.

00:03:31: In der Tat so, dass es Menschen gibt die haben diese Eiweißablagerung das kann man nach dem Tod nachweisen aber zeitlebens nie eine Gedächtnisstörung oder andere Störungen umgekehrt gibt es eben auch.

00:03:44: Menschen haben relativ wenig von diesen Eiweißablagerungen, aber gerade in der Non-Studie konnte man zeigen dass sie andere Veränderung im Gehirn haben.

00:03:54: Also zum Beispiel Schlaganfälle oder andere Pathologien.

00:03:58: und was wir inzwischen wissen ist es die Alzheimer Krankheit ähnlich wie alle Neurodegenerativen Erkrankungen eine chronische Erkankung ist.

00:04:08: Die dauert ungefähr dreizig Jahre und von diesen dreißig Jahren sind zwanzig Jahre ohne beschwerden, ohne Symptome.

00:04:16: Das ist genau die Zeit wo diese Eiweißablagerung im Gehirn sich ausbreiten und nur die letzten zehn Jahre sind mit Beschwerden.

00:04:26: das heißt es ist durchaus möglich dass jemand dieser Eiweissablagerungen hat aber das Gehirne ist in der Lage das zu kompensieren Und Es macht dann eben noch keine Beschwerde.

00:04:37: Aber irgendwann würde es dann wahrscheinlich Beschwerd machen.

00:04:40: Auf diesen Punkt kommen wir noch zurück.

00:04:51: Sie haben in einem Interiode-Universal von neuen Therapien gesprochen.

00:04:55: Was sind das für neue Therapien?

00:04:57: Genau, das ist eben die Therapie, die ich eben auch schon angesprochen habe... eine der Eiweißablagerungen bei Alzheimer richtet, die sogenannten amyloid-beta-plux.

00:05:09: Das ist die erste Eiweissablaggerung, die man bei der Alzheimerkrankheit findet und diese Therapien sind sogenannte Antikörper oder monoklonale Antikörper, die als Infusion geben kann.

00:05:23: Und diese Antiköper binden dieser Eiweiße im Gehirn und aktivieren das eigene Immunsystem um diese Eiweissäpplagerung aus dem Gehirnen zu entfernen.

00:05:31: Also es ist eine Therapie, die sich direkt gegen einen der zentralen Krankheitsmechanismen richtet und das ein echter Wendepunkt in der Behandlung von Alzheimer.

00:05:42: Sie haben da auch gesagt man könne damit die Krankheit um also den Krankheitsverlauf um etwa dreißig Prozent verlangsamen.

00:05:51: Wie ist das genau zu verstehen?

00:05:53: Also welcher Prozess wird genau langsamer?

00:05:59: Dadurch, dass man diese Eiweißablagerung entfernt finden nach geschaltete Prozesse also zum Beispiel der Verlust von Verbindungen zwischen Nervenzellen.

00:06:11: Der Verluss von Nervenzählen finden nicht statt und dadurch kommt es eben zu einer Verlangsamung des Krankheitsverlaufs.

00:06:18: Diese dreißig Prozent die klingen natürlich recht abstrakt Und auch für meine Patientin ist das etwas was ich natürlich erklären muss.

00:06:25: Also ganz konkret ist es so dass man zeigen kann dass in den Studien, die durchgeführt worden sind initial mit diesen Medikamenten.

00:06:35: Dass diese dreißig Prozent Zeitgewinnen bedeuten von etwa vier bis sechs Monaten über einen Studienzeitraum von achtzehn Monaten.

00:06:46: und wenn man sich das länger anschaut also vielleicht über drei Jahre dann sieht man schon, dass es etwa ein Jahr an Zeitgewinn ist.

00:06:53: Also das ist der Effekt dem man durch diese Therapien erzielen kann Und dadurch, dass man diese Therapien in einer frühen Phase der Alzheimer-Krankheit einsetzt ist dieser Zeitgewinn natürlich besonders relevant weil Menschen in dieser Frühenphase selbstständig sind.

00:07:09: eine hohesmaß an Lebensqualität haben und das wollen wir verlängern mit der Therapie.

00:07:14: Was meinen Sie konkret mit selbständig?

00:07:17: Die ganz frühe symptomatische Phase der Alzheimer-Krankheit ist vor allen Dingen dann geprägt, vielleicht durch Gedächtnisstörungen oder andere kognitive Störung die aber noch nicht so ausgeprägt sind dass man im Alltag auf Unterstützung angewiesen wird.

00:07:31: Also das sind Menschen, die stehen mitten im Leben.

00:07:34: Die passen auf ihre Enkelkinder auf und gehen auf Reisen.

00:07:38: Das ist die frühe Phase, wo diese Therapie am besten wirkt.

00:07:44: Ich weiß nicht wie es ihnen geht aber wenn ich mal so eine Therapie brauche dann möchte ich sie möglichst früh haben in einer Phase wo ich eine hohes Maß an Lebensqualität und Selbstständigkeit

00:07:55: habe.

00:07:56: Ja klar!

00:07:57: Dazu ist aber eine frühe Diagnose notwendig.

00:08:02: Kann ich eine beginnende Demenz nicht einfach übersehen?

00:08:06: Eine frühere Diagnosis da ganz wichtig und das nicht ganz leicht, denn eine gewisse Vergesslichkeit ist ganz normal.

00:08:14: Jeder vergisst mal was und das nimmt dem Alter auch sicher zu.

00:08:21: Und das unterscheiden von normalem Altern ... einem krankhaften Prozess wie Alzheimer ist eben, wie gesagt schwierig.

00:08:31: Es geht vor allen Dingen darum zu erkennen, hat man nicht einmal was vergessen, sondern ist das etwas, was immer wieder auftritt?

00:08:40: und häufig ist es auch so dass man als Betroffener das gar nicht so genau erkennt gerade am Anfang, sondern dass vielleicht jemand aus der Familie... ...jemand aus dem Angehörigenkreis zunächst mal was bemerkt und da sollte man einfach aufmerksam sein und dann braucht es natürlich eine ausführliche Abklärung in der Memory Clinic zum Beispiel.

00:09:12: Also bei welchen Mustern, bei welchem Vorkommnissen würden Sie sagen also da muss man jetzt zum Test?

00:09:19: Ja also was relativ häufig ist und normales Altern ist so das Vergessen von Namen von Schauspielern zum Beispiel oder Ortschaften.

00:09:31: Was auch häufig das Verlegen von einem Schlüssel, dass man in einen Raum geht und hat vielleicht nicht mehr parat warum man in den Raum gegangen ist.

00:09:43: Das sind so Dinge die besorgen mich nicht.

00:09:46: was mich eher besorgt ist wenn wichtige Gesprächsinhalte vergessen werden und sich mehr aufschreiben muss wenn vielleicht auch Angehörige berichten jemand mehr wiederholt, die gleichen Dinge erzählt.

00:10:01: Es geht vor allen Dingen so ums neue Gedächtnis.

00:10:04: Die Dinge von früher sind noch sehr parat und präsent aber das neue Gedechnis ist beeinträchtigt.

00:10:12: Ja ich möchte noch auf den Therapierfolg bei der frühen Phase zurückkommen.

00:10:19: jetzt könnte man sich auch fragen gibt es denn derzeit Mittel bei einer mittleren Phase oder einer späteren Phase der Krankheit noch irgendwie wirksam wären.

00:10:31: Es gibt sogenannte symptomatische Therapien, das sind im Grunde Tabletten die man einnehmen kann, die Funktion des Gehirns, die Nervenzellen verbessern und dadurch die Beschwerden, die jemand hat auch so die Function im Alltag verbessern können.

00:10:53: Das sind aber symptomatische Therapie, die verlangsamen nicht oder verändern nicht den Krankheitsverlauf.

00:10:59: Sie haben direkte Kontakte zu Patientinnen und Patienten in der Memory Clinic an der Universitären Altersmedizin Felix Platter?

00:11:09: Was löst in der Regel die Mitteilung der Diagnose aus?

00:11:12: Das ist sehr unterschiedlich!

00:11:15: Wir haben immer wieder Patienten oder für die, die Diagnose auch keine Überraschung ist.

00:11:23: Auch Angehörige, weil man spürt ja das sich was verändert hat.

00:11:27: Viele Menschen beschäftigen sich mit dem Thema.

00:11:29: Viele kommen zu mir in die Sprechstunde und haben eine Sorge dass es vielleicht Allzheimer- oder eine andere neurodegenerative Erkrankung ist.

00:11:40: Es gibt andere Patienten Für dies auch ein Stück weit eine Entlastung Weil endlich mal klar ist was eigentlich die Beschwerden oder was die Ursache dieser Beschwerde ist.

00:11:51: Es ist gar nicht selten, dass das ganz schön dauert auch bis mal eine Diagnose gestellt wird und ich sage dann immer, dass man jetzt zwar eine Diagnose hat oder ein Label hat aber das natürlich man als Mensch der dann aus der Sprechstunde geht genau der gleiche ist und das Leben so weiter führen soll.

00:12:08: Und da gibt es natürlich auch diese Situation dass jemand durch so eine Diagnose geschockt ist.

00:12:18: So eine Diagnose ist eine schwere Diagnos, deshalb ist es uns auch ganz wichtig, dass wir da entsprechend beraten und unterstützen die Patienten, die Angehörigen, die Familien.

00:12:31: Es ist sehr unterschiedlich wie jemand reagiert auf solche Diagnosen.

00:12:36: Also wenn Sie so einediagnose stellen Ab welchen, also wie lange dauert dann das bis wirklich ein Zerfall einsetzt oder der Tod sogar kommt?

00:12:50: Das ist individuell sehr unterschiedlich.

00:12:52: Ich habe ja eingangs kurz erwähnt die Alzheimer-Krankheit ist eine sehr lange Krankheit, dreißig Jahre, zwanzig Jahre davon ohne Symptome etwa zehn Jahre mit Symptomen.

00:13:05: Es gibt Patienten, die haben einen sehr langsamen Verlauf Und andere, die haben rascheren Verlauf.

00:13:14: Wir können noch nicht vorher sagen warum das so ist?

00:13:18: Im Durchschnitt sind es etwa vier bis neun Jahre, die man symptomatisch ist.

00:13:26: aber wie gesagt, dass es individuell sehr unterschiedlich und sehr schwer für uns momentan präzise vorher zu sagen.

00:13:33: Gibt es irgendwelche positiven Perspektiven, die Sie dabei mitteilen können?

00:13:38: Ich bin jetzt seit über zwanzig Jahren in diesem Feld wissenschaftlich und klinisch tätig.

00:13:45: Und noch nie war ich und auch das Feld so hoffnungsvoll wie jetzt, wir haben neue diagnostische Möglichkeiten wo wir die Diagnose präziser früher stellen können und insbesondere diese neuen therapeutischen Möglichkeiten, die ich angesprochen habe.

00:14:02: Also ich glaube da passiert unheimlich viel.

00:14:05: gerade wir sind am Anfang natürlich dieser Entwicklung aber das stimmt mich wahnsinnig hoffnungsvoll.

00:14:10: Ich bin grade zurück vom größten Alzheimer Kongressin der dieses Jahr in London stattgefunden hat und da sieht man also sehr viele positive Signale auch neue Medikamente demnächst dann kommen werden und getestet werden.

00:14:27: Also ich bin extrem zuversichtlich!

00:14:37: Wenn Sie die Wichtigsten nennen könnten?

00:14:40: Ja, die wichtigste Klasse sind jetzt diese Antikörper, die sich gegen dieses eine Eiweiß des Ameloid-Better, die Ameloid-Beta-Plugs... richten.

00:14:51: Da gibt es aber auch spannende neue Studien zu dem zweiten Eiweiß, das bei der Alzheimer-Krankheit eine wichtige Rolle spielt des Tau Protein.

00:15:00: da gibt es das Taueiweis, da gibtes Medikamente die des Taueibais sehr gezielt unterdrücken können und wo auch die ersten klinischen Studien sehr erfolgreich versprechen waren Und andere Ansätze, die sich zum Beispiel gegen eine Entzündungsreaktion, die bei Alzheimer häufig vorkommt richten.

00:15:20: Also das Portfolio ist sehr breit.

00:15:23: Sie haben neben kürzlich neue Erkenntnisse publiziert.

00:15:26: wenn ich das recht verstanden habe was sie vorher gesagt haben dann bezieht sich darauf also dass das Bild der Krankheit verändert wird

00:15:37: wie?

00:15:38: Da geht es genau um diese beiden Eiweiße, das Ameloid Beta und das Tau.

00:15:43: Da haben wir lange Zeit gedacht dass das Ameloid Beta am Anfang steht.

00:15:47: dann irgendwann kommt das TAU.

00:15:49: Die beiden haben miteinander so nichts zu tun.

00:15:51: Und was wir herausgefunden haben ist, dass sehr wohl diese beiden Proteine, diese beiden Eiweiße miteinander wechselwirken und das genau ein Problem ist.

00:16:01: Das genau etwas ist, was Symptome verursacht.

00:16:05: Wir konnten zumindest experimentell zeigen, beide Eiweiße gleichzeitig aus dem Gehirn entfernt, dass sich dann das Gehirne auch wieder entsprechend erholen kann und das stimmt einen natürlich auch sehr positiv.

00:16:19: Ja!

00:16:20: Und was wären da die Interventionsmöglichkeiten, die sich aus dieser Erkenntnis ergeben?

00:16:27: Die Idee wäre, dass man nicht nur eine Therapie hat, die sich gegen einen einzelnen Mechanismus oder ein einzelnes Eiweiß richtet.

00:16:38: Sondern gegen verschiedene Aspekte der Krankheit und diese verschiedenen Aspechte eben versucht zu behandeln so wie das auch bei anderen Erkrankungen in der Medizin ist wo wir in der Regel nicht nur eine Einmedikamente haben sondern verschiedene Medikamente die dann passend für die einzelnen Patienten eingesetzt werden können.

00:17:01: Können Sie irgendwie formulieren das aus dem, was wir im Moment so sehen an Entwicklungen.

00:17:07: Was wäre denn der nächste große Durchbruch?

00:17:11: Wir würden die Alzheimer-Krankheit gerne behandeln bevor überhaupt Symptome auftreten, bevor jemand Beschwerden hat und dazu laufen jetzt Studien wo wir Menschen, die ein erhöhtes Risiko haben eine Alzheimer-Krankheit oder Symptome einer Alzheimerkrankheit zu entwickeln, mit solchen Antikörpern die sich gegen das Amelioid Beta richten aber auch gegen Tau behandeln und das Ziel ist dann des Auftreten von den Symptomen von den Beschwerden aufzuhalten oder nach hinten zu verschieben.

00:17:54: Aber das würde bedeuten, dass eigentlich schon in der symptomfreien Phase diese Krankheit festgestellt wird.

00:18:02: Wie soll das möglich sein?

00:18:04: Da gibt es neue diagnostische Möglichkeiten.

00:18:08: insbesondere sind hier auch zu erwähnen blutbasierte Marker.

00:18:14: also wir können Eiweiße, von denen ich gesprochen habe.

00:18:17: Amelioid-Beta und Tao inzwischen im Blut nachweisen.

00:18:23: Wir können das nachweisen bevor jemand entsprechende Beschwerden hat Und da kann man sich vorstellen dass das helfen kann eben solche Studien durchzuführen und zu testen.

00:18:38: verhindert das das Auftreten von Symptom?

00:18:40: Das ist zumindest die Hypothese die das Feld momentan verfolgt.

00:18:53: Wird man Alzheimer in zehn oder in zwanzig Jahren heilen, oder verhindern können?

00:18:59: Ich glaube dass wir Alzheimer in Zehn- oder Zwanzig Jahre als chronische Erkrankung sehen werden die wir managen werden mit verschiedenen Therapien ähnlich wie wir das bei anderen chronischen Erkankungen machen also beim Diabetes oder bei Bluthochdruck und diesen ganzen Erkranken.

00:19:19: Ich glaube da kommen wir hin.

00:19:20: Also das wird dann eher ein Managen des Krankheitsverlaufs sein und dass es nicht zum großen Ausbruch kommt.

00:19:28: Man könnte sich zum Beispiel vorstellen, dass man ähnlich wie man jetzt z.B.

00:19:33: beim Haushalts die Blutfette bestimmt – dass man in einem gewissen Alter vielleicht ab sechzig oder siebzig im Blut seinen Ameloid-Betterwert bestimmt.

00:19:43: Wenn der erhöht ist, gibt man eine Therapie die das Amyloid-Better wieder normalisiert.

00:19:50: Und dann schaut man einfach nach fünf Jahren nochmal, ist das Amyloid-Beta wieder da?

00:19:53: Dann behandelt man noch mal.

00:19:55: Ist es weiterhin niedrig?

00:19:58: Dann handelt man nicht!

00:19:59: Also so wie man andere Erkrankungen in der Medizin managet, so könnte man sich das in der Zukunft vorstellen.

00:20:06: Sie haben auch dazu geschrieben.

00:20:08: wir werden Alzheimer künftig deutlich gezielter und individueller behandeln als heute.

00:20:14: Wie meinen sie das?

00:20:16: Wir reden ja von der Alzheimer-Krankheit, aber es ist immer klarer dass es wahrscheinlich Alzheimer Krankheiten gibt.

00:20:26: heißen müsste.

00:20:28: Wir verstehen aus der Forschung heraus immer besser, dass es da verschiedene Unterformen gibt, verschiedene Präsentationen und unser Ziel ist das natürlich genau zu charakterisieren für den einzelnen Patienten und dann sehr personalisiert zu behandeln.

00:20:44: So wie wird es zum Beispiel auch bei Krebserkrankungen machen?

00:20:47: Da gibt's zB ja das Prostattack-Hazinom oder dem Brustkrebs die wir molekular analysieren Entsprechend behandeln und Therapien.

00:20:57: So könnte ich mir das vorstellen, auch bei der Alzheimer-Krankheit?

00:21:01: Als Laie fragt man sich warum findet man da einfach so lange, also schon so lange gehen Pharmafirmen und Forscherinnen und Forschern dran?

00:21:13: Warum finden wir da so lange kein wirklich durchschlagendes Mittel?

00:21:18: Das ist eine komplexe Krankheit in dem wahrscheinlich oder in dem komplexesten Organ, was wir haben.

00:21:28: Das Gehirn macht zwei Prozent unseres Gewichts aus aber verbraucht über zwanzig Prozent der Energie.

00:21:34: Es gibt über achtzig Milliarden Nervenzellen im Gehirnen die mit hunderten und tausend von anderen Nervenzählen verknüpft sind Und das ist eine Komplexität mit der wir es zu tun haben die Forschung und auch die Industrie vor Herausforderungen stellt.

00:21:52: Und gleichzeitig muss man auch sagen, dass wir im Vergleich zu anderen Erkrankungen wie zum Beispiel Krebserkrankungen relativ weniger in Forschung investieren.

00:22:05: Das sind so Gründe, die natürlich dann dazu führen, dass vielleicht gefühlt für sie als Journalist nicht so viel Erfolge haben wie in anderen Bereichen der Medizin.

00:22:18: Also wir haben ja vom Projekten erfahren, der Pharmaindustrie die irgendwann aufgegeben wurden weil sie nicht das gebracht haben was man erwartet hat.

00:22:29: also ist diese Forschung dem mit besonderen Risiken behaftet?

00:22:36: Dadurch dass die Krankheiten so lang dauern chronisch sind muss man Studien durchführen, die sehr lange dauern.

00:22:46: Also achtzehn Monate zum Beispiel mit sehr vielen Patienten.

00:22:49: oder wenn man jetzt auch in die Frühphase geht da reden wir von Studienzeiten von vier bis fünf Jahren.

00:22:57: das heißt Wir können nicht so schnell bei diesen langsamen Erkrankungen Studien durch führen wie bei anderen Erkranken und es macht einfach schwierig und komplex.

00:23:07: und gleichzeitig würde ich schon sagen dass ist ein Erfolg der Forschung ist, dass wir jetzt eben solche Therapien haben die zeigen können das wird das Eiweiß oder die Eiweiße die sich über zwanzig Jahre da im Gehirn Ablagern komplett aus dem Gehirne entfernen können.

00:23:27: Das ist für mich ein großer Durchbruch und echter Wendepunkt.

00:23:30: also das bei Menschen gelungen?

00:23:33: Bei Menschen!

00:23:42: Also jetzt haben wir auch unsere Seite die wir dazu im Alltag beitragen können, also es gibt ja Risikofaktoren.

00:23:52: Was muss ich tun um möglichst ein Risiko zu vermeiden?

00:23:58: Es gibt Risikophaktoren die wir nicht verändern können.

00:24:01: das ist zum Beispiel des Alters.

00:24:03: Je älter man wird desto wahrscheinlicher ist dass man so eine neurodegenerative Erkrankung entwickelt.

00:24:10: Das Geschlecht gehört dazu.

00:24:12: Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

00:24:15: Die Gründe dafür kennt man noch nicht so, aber es gibt dann durchaus auch Risikofaktoren die man verändern kann.

00:24:24: Und dazu gehören zum Beispiel alle die Risikophaktoren, die eben

00:24:30: auch

00:24:30: bei Herzerkrankungen eine Rolle spielen also hoher Blutdruck, Rauchen, hohe Blutzucker, aber eben auch Risiko-Faktoren ,die ein bisschen überraschend sind wie zum Beispiel eine Schwerhörigkeit im mittleren Lebensalter, Kopfverletzung, psychische Erkrankungen können Risikofaktor darstellen.

00:24:52: Zum Beispiel Depression.

00:24:57: Wir wissen das und auch das weiß man eben aus den Studien zur Prävention dass eine geringe Bildung in der Kindheit das Risiko später mal einen Demenz zu entwickeln zu entwickeln erhöht.

00:25:15: Und wir gehen davon aus, dass also die geistige Aktivität dazu führt das unser Gehirn robuster wird gegenüber diesen Veränderungen, gegenüber diesen Eiweißen und das ist sicher etwas was auch dann bis ins höhere Lebensalter hilft das Gehirnen robust zu halten gegenüber diesen veränderungen.

00:25:39: Wie sehr können?

00:25:41: Also was können wir konkret tun im Lebensalltag, um stärker fit zu bleiben?

00:25:49: Da beziehe ich mich vor allen Dingen auf Arbeiten zur Prävention.

00:25:55: Wenn man sich das anschaut, da gibt es große Arbeiten aus der sogenannten Lancet-Kommission die gezeigt haben dass auf der Bevölkerungsebene bis zu forty fünf Prozent aller Demenzen verhindert werden können.

00:26:10: Und das Entscheidende ist da eben, dass es Risikofaktoren gibt die altersabhängig sind.

00:26:16: Also gerade schon angesprochen in der Kindheit ist es die Bildung.

00:26:20: also eine gute Schulbildung für unsere Kinder ist etwas was sicherlich schützt.

00:26:27: im mittleren Lebensalter sind es die Faktoren wie

00:26:31: Bluthochdruck,

00:26:32: Rauchen erhöhte Blutzuckerwerte aber auch die Schwerhörigkeit Kopfverletzung, vermeiden ist ein ganz wichtiger Punkt und ab fünfundsechzig werden es dann andere Faktoren.

00:26:45: Da sind zum Beispiel die soziale Isolation, die ein Problem darstellt also da aktiv zu bleiben.

00:26:52: Weiterhin ja mit Freunden treffen, mit Bekannten treffen ins Kino zu gehen, ins Theater zu gehen das ist sicherlich sehr hilfreich.

00:27:01: wir wissen eben auch Menschen im Englischen sagt man den Purpose haben, die haben geringeres Risiko so eine Demenz zu entwickeln.

00:27:15: Gleichzeitig auch die Sehstörung also dass man die Brille trägt Augenveränderungen behandelt das sind alles Faktoren die da eine Rolle spielen

00:27:27: können.

00:27:29: Also ich habe mehrfach jetzt das Alter angesprochen.

00:27:32: Ich habe ja aber auch gelesen dass es immer mehr jüngere Menschen trifft.

00:27:37: Gibt es eine Tendenz?

00:27:38: Stimmt das?

00:27:40: Ich glaube, dass Bewusstsein dafür, dass neurodegenerative Erkrankungen und Demenzen nicht nur im hohen Lebensalter auftreten sondern eben auch in jüngeren Jahren ist größer geworden.

00:27:55: Nicht, dass das per se häufiger geworden ist aber es wird häufiger diagnostiziert und es wird immer klarer, nicht so häufig ist wie im hohen Lebensalter, aber doch durchaus vorkommt und das natürlich besonders problematisch dann in diesem jüngeren Lebensjahr.

00:28:26: Dazu gehört vielleicht auch unsere Lebensgewohnheiten.

00:28:30: die haben sich verändert.

00:28:31: wir lesen weniger wir schauen mehr kurze Videos an.

00:28:35: Ist es gut für das Gehirn?

00:28:40: Naja Ich denke, dass man schon zeigen kann und da gibt es auch Studien gerade bei jüngeren Leuten das vielleicht die Konzentrationsfähigkeit durch dieses schnell ewige Scrollen auf dem Handy schaden nimmt.

00:29:00: Und letztlich wissen wir natürlich noch gar nicht welche Auswirkungen der Handikonsum Social Media aufs Gehirn hat und dann auch langfristig, weil das natürlich ganz neue Medien sind.

00:29:14: Und wir noch nicht wissen wie die Langzeitwirkungen davon sein werden.

00:29:29: Was hat Sie zu diesem Forschungsbereich geführt?

00:29:33: Ich habe Medizin studiert und wollte dann unbedingt wissenschaftlich arbeiten und hab mich dafür interessiert eine neuro-wissenschaftliche Doktorarbeit zu machen experimentelle Methode gelernt, wo ich festgestellt habe dass die eine Methode ist mit der man eben bei so einer Erkrankung wie der Alzheimer-Krankheit oder neurodegenerativen Erkankungen ganz neue Einblicke gewinnen kann.

00:30:01: Und so bin ich eigentlich dann dazu gekommen und das hat mich interessiert und hab mich auch klinisch entsprechend weiter gebildet und entwickelt.

00:30:11: Welche Besonderheiten für ihre Arbeit bringen Ihnen Basel und die Uni?

00:30:16: Basel ist ein einzigartiger Standort.

00:30:19: Ich habe in München studiert und war dann auch dort ärztlich tätig, bin dann in die USA gegangen nach Boston und von dort war ich in England tätig in London und muss sagen dass Basel von all diesen Standorten natürlich einzigatig ist weil wir zum einen eine ganz hohe Qualität in der Gesundheitsversorgung haben, in den Krankenhäusern.

00:30:50: Wo Innovationen der Medizin noch möglich ist wie jetzt solche neuen Therapien die ich angesprochen habe.

00:30:56: wir haben im Basel auch in der Schweiz exzellente Universitäten, exzelle Institute insbesondere jetzt hier auch in Basel und wir haben natürlich die Industrie Rosch Novates um Also zwei größere Firmen zu nennen, die gerade in diesem Bereich der mich interessiert Demenz und Alzheimer wahnsinnig aktiv sind.

00:31:21: Und aus meiner Sicht ist es einfach eine ganz tolle Life Science Umgebung wo man Klinik-Wissenschaft sehr gut miteinander verbinden kann.

00:31:31: Das fand ich an Basel wahnsinn nicht attraktiv.

00:31:36: Gibt es da irgendwie so... Kommunikative Bezugspunkte, also wenn Sie die Pharmafirmen erwähnen und die Uniforschung oder eben auch das Felix Blatter.

00:31:46: Gibt es da Kommunikation?

00:31:49: Da gibt's sehr viel Kommunikations- und ich glaube dass wir nur in der nur zusammen solche... gesellschaftlichen Probleme wie Demenzen lösen können.

00:32:01: Das wird nicht gelöst vom einzelnen Forscher im Labor, sondern das wird nur gelöst wenn wir zusammenarbeiten und uns wirklich darauf konzentrieren.

00:32:11: Und da gibt es sehr viel Kommunikation austausch, gemeinsame Workshops-Meetings.

00:32:17: Sie haben den Rainwaterpreis, für innovative Nachwuchswissenschaftler Bekommen, wofür und was bedeutet Ihnen dieser Preis?

00:32:31: Den Preis habe ich bekommen für unsere experimentellen Arbeiten zu dem Tau-Protein.

00:32:38: Dem Taualweis ist eben eine wichtige Rolle spielt bei Alzheim aber auch bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen Und wir haben im Grunde Form dieses Tauei-Weises identifiziert und auch verstanden, wie es im Gehirn wirkt.

00:32:57: Was uns jetzt helfen kann entsprechende Therapien zu entwickeln die sich ganz gezielt gegen diese giftige Form des Tauproteins richtet.

00:33:06: solche Preise sind natürlich immer eine tolle Anerkennung nicht nur für einen persönlich, sondern auch fürs ganze Team.

00:33:16: Die natürlich die Arbeit leistet und habe mich da sehr darüber gefreut und das ist nur Motivation natürlich daran zu bleiben und die Forschung weiterzuentwickeln und

00:33:31: voranzutreiben.".

00:33:33: Ja dann gratulieren wir und wünschen Ihnen alles Gute bei Ihrer weiteren Arbeit!

00:33:40: Das war uniball über das Thema Demenz und die neuesten Erkenntnisse.

00:33:47: Herzlichen Dank!

00:33:51: Sie hören Uniball, der Wissenschaftspodcast auf Primews im Gespräch mit Menschen, die Wissen schaffen – in Zusammenarbeit mit der Universität Basel und präsentiert von Interpharma.

00:34:06: wir forschen weiter.

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